Aromatherapie

Was ist Aromatherapie?

Die Aromatherapie ist eine sanfte und sehr vielseitige ganzheitliche Therapiemethode, die mit Hilfe von ätherischen Ölen das körperliche und seelische Wohlbefinden beeinflusst. Ätherische Öle sind flüchtige Pflanzenstoffe, die die Pflanzen produzieren, um Wachstum und Fortpflanzung zu fördern, Insekten anzulocken oder Schädlinge abzuwehren und sich somit vor Krankheiten zu schützen.

Geschichte

Die Idee, Pflanzenöle gezielt einzusetzen, greift auf eine 5000-jährige Geschichte zurück. Bereits in Ägypten und im alten Rom wurden die fein duftenden Öle flächendeckend eingesetzt und in der „Materia medica“ von 1882 auch wissenschaftlich erfasst. Heute werden ca. 300 ätherische Öle angewendet und durch Dampfdestillation gewonnen.

Woher kommen die Öle?

In höherer Konzentration kommen die im Rahmen der Aromatherapie genutzten Öle meistens in den Blüten vor. Sie können jedoch auch in den anderen Teilen der Pflanze angereichert sein. Zum Beispiel bei

  • Geranie, Pfefferminze, Estragon, Salbei und Thymian in Stängeln und Blättern,
  • Anis, Koriander, Kümmel, Muskatnuss und Sternanis in den Früchten, 
  • Kardamom, Petersilie und Sellerie in den Samen, 
  • Zimt in der Rinde, 
  • Zitrusfrüchten in der Fruchtschale, 
  • Angelika und Iris in den Wurzeln, 
  • Fichte, Zypresse und Kiefer in den Nadeln und Zweigen, 
  • Zeder, Sandel- und Rosenholz im Holz.

Wie wirken ätherische Öle?

Bei der Wirkung ätherischer Öle auf den menschlichen Körper spielen vor allem der Geruchs- und Geschmackssinn, die Atemwege, die Haut und das Nervensystem eine wichtige Rolle. Jeder auf die Sinne ausgeübte Reiz löst einen Impuls des vegetativen Nervensystems aus (fördert die Ausschüttung von Botenstoffen wie Encephalinen, Endorphinen, Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Opiaten, Benzodiazepinen) und beeinflusst damit die Muskulatur der Organe und Drüsen, die Körpertemperatur, die Heilungs- und Regenerationsprozesse und die Psyche. Aufgenommen über die Atemwege wirken ätherische Öle schmerzlindernd, harmonisierend und entspannend. Über die Haut und Schleimhaut fördern sie die Wundheilung, lindern Schmerzen, wirken desinfizierend und entzündungshemmend.

Wissenschaftlich wird die Wirkung der ätherischen Öle mit ihrer Wechselwirkung auf die Zellmembran und deren Durchlässigkeit erklärt. Je nach Konzentration kann das Ergebnis unterschiedlich ausfallen. Zarte Dosierungen wirken eher auf die Psyche, mittlere unterstützen die körperlichen Schutzfunktionen und höhere töten Keime und Zellen ab.

Aromatherapie in der ganzheitlichen Zahnmedizin

In der ganzheitlichen Zahnmedizin werden ätherische Öle in drei Hauptbereichen sowohl zur Prävention als auch zur Therapie verwendet.

  1. Bei Gesichts-, Kopf- und Nackenschmerzen, Verspannungen, craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) und Angstzuständen.
  2. Bei Zahnschmerzen und zum Schutz der Zähne gegen Säuren.
  3. Zur Desinfektion und Regeneration des Zahnfleisches sowie zur Entgiftung.

Aromatherapie bei Ängsten, Stress und Verspannung

Bei Ängsten (auch bei Zahnarztphobie), Konzentrationsschwäche und Müdigkeit haben sich Melisse, Basilikum, Geranium, Kamille, Sandelholz, Kiefernöl, Pfefferminzöl und Nelkenöl sehr gut bewährt (als Badezusatz, Kompresse, Massageöl oder zur Inhalation).

Zum Stressabbau bieten sich Baldrian, Bergamotte, Ingwer, Jasmin, Kamille, Lavendel, Majoran, Melisse, Rose, Rosmarin und Sandelholz an.

Durch ihre muskelkrampflösende Wirkung wirken zum Beispiel Basilikum, Eukalyptus, Kamille, Lavendel, Melisse, Nelke, Orange, Pfefferminze, Rose, Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop, Zimt und Zypresse wahre Wunder.

Aromatherapie bei Zahnschmerzen

Die erste Hilfsmaßnahme bei Zahnschmerzen ist die Nelke. Ein paar Tröpfchen auf einem Wattestäbchen lindern die Zahnschmerzen und wirken desinfizierend. Auch Bergamotte, Kamille, Lavendel, Teebaum, Thymian, Walnuss und Zimt sind hier eine große Hilfe.

Aromatherapie bei Zahnfleischproblemen und Parodontitis

Im Bereich der Desinfektion und Regeneration des Zahnfleisches werden Salbei, Lemongras, Thymian, Teebaum, Nelke, Orange und Pfefferminze als Einzelpräparate oder in Form von Ölmischungen im Rahmen der Prävention, oder als Begleitmaßnahme während der Parodontitis-Therapie und Nachsorge verwendet. Sie wirken gegen Viren und Bakterien und können allein (als Monotherapeutikum) oder ergänzend zu einer Antibiotikatherapie eingesetzt werden.

Gerade bei der Parodontitis-Therapie empfiehlt sich eine individuelle Bestimmung der wirkungsvollsten Öle auf die auslösenden Keime durch einen Test (Aromatogramm – z.B. beim Institut für Mikroökologie in Herborn). Die auf das Erregerspektrum des Patienten abgestimmten Ölmischungen können unterstützend während der aktiven Parodontaltherapie in der Zahnarztpraxis und auch zu Hause angewendet werden.

Anwendungshinweise

Auswahl der Öle

Ätherische Öle sind in der Medizin als Einzelstoffe (Monotherapeutikum) oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren hervorragend einsetzbar. Zu den bekanntesten Ölen zählen Basilikum, Bergamotte, Estragon, Eukalyptus, Fenchel, Fichtennadel, Kamille, Latschenkiefer, Lavendel, Minze, Muskatellersalbei, Myrrhe, Nelke, Niaouli, Orange, Rose, Rosmarin, Salbei, Teebaum, Thymian, Ysop, Zimt und Zitrone.

Um immer das richtige Öl zu finden, ist es hilfreich auf ihre lateinischen Bezeichnungen zurückzugreifen. Sie können als Einzelöle oder in Form von Ölmischungen verwendet werden, wobei sich nicht alle Bestandteile einer Ölmischung auch als Einzelöle eignen.

Es sollten immer naturreine Öle in Bio-Qualität verwendet werden. Diese am besten im Kühlschrank aufbewahren.

Deutscher Pflanzenname Botanische Bezeichnung
Basalikum Ocimum basalicum
Bergamotte Citrus bergamia
Estragon Artemisia dracunculus
Eukalyptus Eukalyptus globulus
Fenchel Foeniculum vulgare var. dulce
Geranie Pelargonium graveolens
Kamille Chamaemelum nobile
Latschenkiefer Pinus mugo
Lavendel Lavendula angustifolia
Minze Mentha piperita
Muskatellersalbei Salvia sclarea
Myrrhe Commuphora molmol
Nelke Syzygium aromaticum
Orange Citrus sinensis
Pfefferminze Mentha piperita
Rose Rosa damascena, Rosa centifolia
Rosmarin Rosmarinus officialis
Salbei Salvia officinalis
Teebaum Melaleuca alternifolia
Thymian Thymulus vulgaris
Zimt Cinnamonum verum
Zitrone Citrus limon

Anwendung auf der Haut als Kompressen und Massagen

Die heißen Kompressen erweitern die Blutgefäße und lockern die Muskulatur. Die kalten dagegen führen Wärme ab und wirken entzündungshemmend. Bei der Massage durch Kneten, Klopfen, Streichen und Reiben wird ein Reiz auf das Nervensystem, die Muskulatur, die Lymphe und den Kreislauf durch die Haut und das darunterliegende Gewebe gesetzt. Dadurch werden der Blutdruck und der Pulsschlag gesenkt, der Blut- und Lymphstrom sowie die Ausscheidung angeregt und die Knochen- und Gewebeerneuerung beschleunigt.

Die Behandlung kann entweder lokal an der schmerzenden Stelle (Kaumuskulatur, Nacken, Schulter, Rückenbereich) oder im an den entsprechenden Reflexzonen durchgeführt werden (z.B. Hand, Fußsohlen, Segmente). Dabei werden die ätherischen Öle in kaltgepresste Trägeröle eingemischt – z.B. in Olivenöl, Avocadoöl, Jojobaöl, Mandelöl, Haselnussöl, Walnussöl, Macadamiaöl, Nachtkerzenöl, Hagebuttenöl, Schwarzkümmelöl, Weizenkeimöl, Kokosöl, Johanniskrautöl, Distelöl oder Sesamöl.

Die Konzentration liegt zwischen 1 und 50 %. Es gilt: Je höher die Konzentration umso wichtiger ist die Erfahrung des Anwenders. Die Wirkung der ätherischen Öle kann durch Mazerate verstärkt werden, die neben den Ölen auch Pflanzenteile wie Blüten enthalten. Ihre bekanntesten Vertreter sind Arnika, Calendula, Johanniskraut und Aloe vera. Eine Gesichts- und Nackenmassage mit Kamille, Lavendel und Rosmarin bietet sich besonders gut bei CMD oder zur Unterstützung vor und nach einer Operation an.

Die Körperöle wirken nicht nur über ihren Duft und die entgegengebrachte Zuwendung sondern auch durch ihren hohen Fettanteil. Da sie fettlöslich sind, finden sie über die Zellmembran einen direkten Weg in die Zellen. Je höher der Anteil der ungesättigten Fettsäuren und je wärmer die Haut ist, umso schneller werden die Aromaöle aufgenommen. So kann eine Wirkung innerhalb weniger Minuten erfolgen. In den meisten Fällen werden Körperöle ein- bis zweimal täglich angewendet.

Inhalation

Die Inhalation ist die schonendste Methode, um die positive Wirkung ätherischer Öle auf die Gesundheit zu nutzen. Dabei können die Öle entweder direkt auf ein Papiertaschentuch geträufelt, über eine Duftlampe und Verdunster aufgenommen werden (am besten durch das Beimischen von Alkohol) oder in Form von Hydrolaten über ein Wasserbad eingeatmet werden. Als Hydrolate bezeichnet man die Bestandteile, die nach der Entnahme der ätherischen Öle zurückbleiben. Sie sind wasserlöslich und enthalten ebenfalls heilende Substanzen.

Die durch die Nasenlöcher aufgenommene Ölmischungen treten über den Nasenvorhof in die Nasenhöhle. Hier werden sie angewärmt, angefeuchtet und durch die Geruchszellen und des Riechnervs über den Riechkolben und Hypothalamus an das limbische System weitergeleitet, welches eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt.

  • Angespannte Menschen profitieren von Sandelholz und Vanille. 
  • Melisse und Mandarine lindern die Angst.
  • Lavendel und Rose schaffen Vertrauen.
  • Traurige und niedergeschlagene Menschen haben einen Benefit von Bergamotte, Grapefruit und Jasmin.

Ein mit ätherischen Ölen angereichertes Raumklima kommt natürlich auch bei den Familienmitgliedern sehr gut an.

  • Rose und Zimt fördern die Kreativität.
  • Lemongras, Zitrone und Rosmarin begünstigen die Inspiration.
  • Lavendel, Melisse und Rose bauen Stress ab.
  • Muskatellersalbei, Rosmarin und Zitrone geben den kleinen Ausschwung, um noch bis zum Ende des Tages durchzuhalten.

Welche Einschränkungen gibt es?

Obwohl es sich bei der Aromatherapie um ein sehr schonendes Verfahren handelt, sollte vor einer Anwendung unbedingt auch an mögliche Nebenwirkungen gedacht werden. Besonders aufpassen sollte man bei Schwangeren, Kindern, älteren und gebrechlichen Menschen. Auch deshalb ist die Begleitung durch einen erfahrenen Therapeuten unumgänglich. Die wichtigste Kontraindikation zur Benutzung eines ätherischen Öls ist zum einen die persönliche ablehnende Haltung der Nase, zum anderen der allgemeine Gesundheitszustand.

  • Bei Schwangeren sind Kampher, Eukalyptus, Nelke, Ingwer, Zimt und Pfefferminzöle kontraindiziert.
  • Menschen, die einen niedrigen Blutdruck haben, sollten auf Lavendel, Majoran, Muskatellersalbei, Rosmarin, Thymian und Ysop verzichten.
  • Epileptiker und Asthmatiker sollten Kampher, Rosmarin, Salbei und Ysop vermeiden.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten intensive Dürfte wie Angelikawurzel, Zistrose, Eichenmoos, Eisenkraut, Ingwer, Iris, Jasmin, Lavendelsalbei, Muskatellersalbei, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop, Zeder und Zypresse nicht als Einzelöl verwendet werden. Auch extrem frisch und anregend riechende Düfte sind in der Nähe von Kleinkindern nicht gut aufgehoben.