Risikobestimmung

Schnelltest zur Parodontitis-Früherkennung

Um festzustellen, ob eine Parodontitis vorliegt und wie das klinische Bild bzw. die Prognose einzuschätzen sind, macht es Sinn durch spezielle Laboruntersuchungen das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu gehören:

Typisierung der Bakterienflora – Mit dem molekularbiologischen Verfahren der Real-Time-PCR werden in der Speichelprobe gefundene Bakterien typisiert, um die besonders aggressiven herauszufiltern und gezielt zu therapieren. Dabei spielt nicht nur die tatsächliche Zahl der Keime eine Rolle, sondern auch das Verhältnis untereinander. Denn auch ein Ungleichgewicht kann zu einer Erkrankung führen.

Die Erreger werden dabei in mehreren Gruppen eingeteilt:

  • Aggregatibacter actinomycetemcomitans (Aa) ist besonders aggressiv. Er kommt bei ca 20% der Patienten vor – häufig bei jüngeren Patienten. Aa kommt in der normalen Mundflora nicht vor und wird von Mensch zu Mensch übertragen (z.B. von Mutter auf Kind durck Küssen oder Abschlecken des Löffelchens!!!). Aa lebt im Gewebe und ist somit für die mechanische Reinigung unempfindlich. Sie wird generell therapiert.
  • Der "rote Komplex" – Die Keime liegen in tiefen blutenden Taschen, bei schweren, chronischen und weit fortgeschrittenen Parodontitis-Erkrankungen in hohen Zahlen vor. Sie sind gewebeaggressiv und somit reicht eine rein mechanische Entfernung nicht aus. Durch die freigesetzten Giftstoffe und Enzyme schädigen Sie das Zahnfleisch-Gewebe direkt und sind somit an der Schwere und am Fortschreiten der Erkrankung maßgeblich beteiligt. Diese Erreger sind auch häufig bei Entzündungen des Gewebes um Zahnimplantate beteiligt und können zum Implantatverlust führen.
    Die Vertreter des "roten Komplexes": 
    • Porphynomonas gingivalis (Pg) – ist nicht Bestandteil der normalen Mundflora und sollte durch die Therapie vollständig abgetötet werden.
    • Treponema denticoa (Td)
    • Tannerella forsythia (Tf)
  • Der "orangene Komplex" – Die Bakterien sind mittel bis stark krankmachend. Sie geltend als "Brücken-Spezies", d.h. sie schaffen gute Wachstumsbedingungen für die Erreger des "roten Komplexes".
    Die Vertreter des "orangenen Komplexes":
    • Prevonella intermedia (Pi) – ist gewebeinvasiv und somit mechanisch nicht zu entfernen
    • Peptostreptococcus micros (Pm) – mit ihren Enzymen führt sie zu verstärktem Gewebeabbau. Sie kommt häufig bei Rauchern vor.
    • Fusobacterium nucleatum (Fn) – erleichtert die Ansiedlung der anderen Bakterien im Biofilm. Sie kommt in einer hohen Zahl bei schlechter Mundhygiene vor und ist bei den fortgeschrittenen Zahnlockerungen beteiligt. Sie kommt häufig bei Rauchern vor.
  • Der "orange-assoziierter Komplex"
    • Eubacterium nodatum (En)
  • Der "grüne Komplex"
    • Capnocytophaga gingivalis (Cg)

Messung der Entzündungsmarker – Hier werden die typischen Entzündungsmarker gemessen, um daraus die Prognose zu erstellen. Diese Methode eignet sich auch zur routinierten Verlaufskontrolle bei Implantaten, um einer eventuellen Periimplantitis (Entzündung um das Implantat herum mit der Folge des Implantatsverlust) rechtzeitig entgegen zu wirken. 

Durch die Testverfahren PerioMarker und ImplantatMarker können schnell, einfach, schmerzfrei und kostengünstig versteckte Mundinfektionen erkannt werden, weit bevor diese durch konventionelle Diagnostik-Methoden (wie z.B. Röntgen) erkennbar sind. Der Nachweis erfolgt durch die Messung einer körpereigenen Enzyms (aMMP-8), dessen erhöhter Wert ein eindeutiges Warnsignal des Immunsystems ist und einen Knochen und Gewebeabbau anzeigt. Unbehandelte Entzündungen belasten den ganzen Körper, was bei Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen ein zusätzliches Gesundheitsrisiko bedeutet, was sich leicht vermeiden ließe.

Bei Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetikern, Rheumapatienten, Implantatträgern, Frauen mit Kinderwunsch und starken Rauchern: ein Muss, um das Risiko zu minimieren.

In unserer Praxis für interdisziplinäre-, systemische-, ganzheitliche- und Umwelt-Zahnmedizin setzen wir neben der klinischen und röntgenologischen Befundaufnahme auch die Typisierung der Bakterienflora und die Messung der Entzündungsmarker als diagnostisches Verfahren ein, um für jeden Patienten, in jeder Lebenssituation den bestmöglichen Behandlungs- und Erhaltungsweg auszusuchen.